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„Legion“

Auch die Engel schießen blaue Bohnen

Lieber Filmemacher,

wenn Sie von gefallenen Engeln erzählen möchten, die sich selbst als Beschützer der Menschheit zum Terminator-Rambo-Hybrid stilisieren, von besessenen Großmüttern, die dämonisch an Wänden und der Decke herumkraxeln und mit Haifischzähnen an Hälsen knabbern, von einem Gott, der keinen Bock mehr auf den „bullshit“ der Menschen hat, von dessen Botem, der mit elektrischem Morgenstern auf Babyjagd geht, dann ziehen Sie bitte durch. Haben Sie Spaß an ihrem Film und machen ihn der Prämisse entsprechend unterhaltsam affig. Niemand benötigt halbgare Trash-Welten, die affektiert zu bierernsten Endzeitvisionen und Glaubensdiksursen aufgeblasen werden.

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„Invictus – Unbezwungen“ („Invictus“)

Das Wunder von Johannesburg

USA 2009, Regie: Clint Eastwood; Buch: Anthony Peckham (Vorlage: John Carlin); Kamera: Tom Stern; Musik: Kyle Eastwood, Michael Stevens; Produktion: Clint Eastwood, Robert Lorenz, Lori McCreary, Mace Neufeld.

Darsteller: Morgan Freeman (Nelson Mandela), Matt Damon (Francois Pienaar), Tony Kgoroge (Jason Tshabalala), Patrick Mofokeng (Linga Moonsamy), Matt Stern (Hendrick Booyens), Julian Lewis Jones (Etienne Feyder), Adjoa Andoh (Brenda Mazibuko), Marguerite Wheatley (Nerine), Leleti Khumalo (Mary), Patrick Lyster (Mr. Pienaar), Penny Downie (Mrs. Pienaar).

Verleih: Warner. Laufzeit: 133 Minuten. Kinostart Dtl.: 18.02.2010.

„Aus dem Hintergrund müsste Stransky schießen. Stransky schießt. Drop goal!“ Vielen deutschen Zuschauern wird unweigerlich Fußball in den Sinn kommen. Sei es das Wunder von Bern 1954, der Titelgewinn eines gesamtdeutschen Teams 1990 oder jüngst die WM 2006. Südafrikas Ausrichtung der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 1995 und Teilnahme an selbiger hat ein bisschen was von allen drei Ereignissen: die eigentliche Geburtsstunde eines Apartheid-freien Südafrikas, die erste Turnierbeteiligung einer theoretisch vereinten Nation, ein Großereignis im eigenen Land. Die einende Kraft von Sport; hiervon erzählt „Invictus“.

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„Up In The Air“

Lost in Recession

USA 2009, Regie: Jason Reitman; Buch: Jason Reitman, Sheldon Turner (Roman: Walter Kim); Kamera: Eric Steelberg; Musik: Rolfe Kent; Produktion: Jason Reitman, Ivan Reitman, Jeffrey Clifford, Daniel Dubiecki.

Darsteller: George Clooney (Ryan Bingham), Vera Farmiga (Alex Goran), Anna Kendrick (Natalie Keener), Jason Bateman (Craig Gregory), Amy Morton (Kary Bingham), Melanie Lynskey (Julie Bingham), J.K. Simmons (Bob), Sam Elliott (Maynard Finch), Danny McBride (Jim Miller), Zach Galifianakis (Steve), Chris Lowell (Kevin).

Verleih: Paramount. Laufzeit: 110 Minuten. Kinostart Dtl.: 04.02.2010.

Sie heulen, betteln, fluchen, sind verzweifelt, frustriert, traurig, schmeißen Stühle um, manche drohen mit Selbstmord, manche planen Rache. Menschen, denen gekündigt wird. Ryan Bingham reagiert eher milde. Er verliert allerdings auch nicht seinen Job, aber trotzdem wird sein Leben in seinen Grundfesten erschüttert. Er atmet schnell und schwer, sein Puls steigt, seine Augen werden feucht, er versucht angestrengt die Fassung zu wahren. Warum? Weil er „geerdet“ werden soll. Weil er das Reisen aufgeben und „nach Hause“ kommen soll. Aber was nutzt eine Heimat, wenn man nur 43 miserable Tage im Jahr dort ist und willentlich jede private Bindung gekappt hat?

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„Surrogates – Mein zweites Ich“ („Surrogates“)

Bruce in the Shell: Rebellion der Menschen

USA 2009, Regie: Jonathan Mostow; Buch: Michael Ferris, John D. Brancato (Graphic Novel: Robert Venditti, Brett Weldele); Kamera: Oliver Wood; Musik: Richard Marvin; Produktion: Max Handelman, David Hoberman, Todd Lieberman.

Darsteller: Bruce Willis (Greer), Radha Mitchell (Peters), Rosamund Pike (Maggie), Boris Kodjoe (Stone), James Francis Ginty (Canter), James Cromwell (Canter, älter), Ving Rhames (Prophet), Jack Noseworthy (Strickland).

Verleih: Walt Disney. Laufzeit: 88 Minuten. Kinostart Dtl.: 21.01.2010.

Zeit für ein Geständnis. lichtspielhausbesetzer wird von einer einzigen Person betrieben – mir, einem 12-jährigen peruanischen Wunderkind, das sich hoch oben in den Anden an seinem 486er-PC wirre Texte über Film ausdenkt. Wie bitte? Klingt unglaubwürdig? Wer weiß das schon? In Zeiten von Internetanonymität und beliebig wählbaren Stellvertreteridentitäten. Hollywood scheint zur Zeit ganz vernarrt in dieses Phänomen und kreiert eine Allegorie nach der anderen. Erst die blauen „Avatare“ auf Pandora, dann die willenlose Sträflingsgladiatoren in „Gamer“, und jetzt folgen die „Surrogates“: Androiden, die von ihren Besitzern ferngesteuert werden.

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„Ponyo – Das verzauberte Goldfischmädchen“ („Gake no ue no Ponyo“)

Miyazaki 2.0 – Prinzessin Ponyos Reise ins Tal der Wellen

J 2008, Regie: Hayao Miyazaki; Buch: Hayao Miyazaki; Kamera: Atsushi Okui; Musik: Joe Hisaishi; Produktion: Toshio Suzuki, Hayao Miyazaki, Koji Hoshino.

Sprecher (OV): Yuria Nara (Ponyo), Hiroki Doi (Sosuke), Jôji Tokoro (Fujimoto), Tomoko Yamaguchi (Risa), Yuki Amami (Guranmamare), Kazushige Nagashima (Kôichi), Akiko Yano (Ponyo no kyôdai), Shinichi Hatori (Anchorman).

Verleih: Universum. Laufzeit: 100 Minuten. Kino-/DVD-Start: tba.

Ich höre auf. Ich höre nicht auf. Ich mache Schluss. Einer geht noch. Als zupfte er Blütenblätter. Zwei Mal – nach „Prinzessin Mononoke“ (1997) und nach „Chihiros Reise ins Zauberland“ (2001) – hat Hayao Miyazaki bereits seine Rentenzeit eingeläutet, zwei Mal gab’s den Rücktritt vom Rücktritt inklusive weiterem Zuwachs zu seinem bemerkenswerten Oeuvre. Und jetzt das: kein CGI, kindgerechter, alles irgendwie weniger episch, keine Flugmaschinen – ein Film, mit dem der Animationsregisseur einen Schritt zurück geht? Ach was!

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„Edge of Love – Was von der Liebe bleibt“ („The Edge of Love“)

Atonement 2 – Let’s get lesbian

GB 2008, Regie: John Maybury; Buch: Sharman Macdonald; Kamera: Jonathan Freeman; Musik: Angelo Badalamenti; Produktion: Rebekah Gilbertson, Sarah Radclyffe.

Darsteller: Keira Knightley (Vera Phillips), Cillian Murphy (William Killick), Sienna Miller (Caitlin MacNamara), Matthew Rhys (Dylan Thomas), Camilla Rutherford (Nicolette), Alastair Mackenzie (Anthony Devas), Lisa Stansfield (Ruth Williams).

Verleih: Koch Media. Laufzeit: 110 Minuten. Kinostart Dtl.: 23.07.2009.

„Edge of Love – Was von der Liebe bleibt“ sollte eigentlich ein Film über den walisischen Autoren Dylan Thomas sein. Aber irgendwie kam ein gefühltes Sequel zum Keira Knightley-Streifen „Abbitte“ heraus. Den Rest des Beitrags lesen »

„Hangover“ („The Hangover“)

Vegas, baby, Vegas!

USA 2009, Regie: Todd Phillips; Buch: Jon Lucas, Scott Moore; Kamera: Lawrence Sher; Musik: Christophe Beck; Produktion: Todd Phillips, Daniel Goldberg.

Darsteller: Bradley Cooper (Phil Wenneck), Ed Helms (Stu Price), Zach Galifianakis (Alan Garner), Justin Bartha (Doug Billings), Heather Graham (Jade), Sasha Barrese (Tracey Garner), Jeffrey Tambor (Sid Garner), Ken Jeong (Mr. Chow), Rachael Harris (Melissa).

Verleih: Warner. Laufzeit: 100 Minuten. Kinostart Dtl.: 23.07.2009.

Komödien können einen virtuos konzipierten, komplexen Plot haben. Ihre Figuren können detailliert ausgearbeitet und maximal authentisch sein. Sie können wertvolle Botschaften transportieren und belehren, aufklären, inspirieren. Die Kamera kann Bilder von epischer Signifikanz kunstvoll einfangen. All das kann der Fall sein und den Film erhöhen. Aber all das nutzt so gut wie nichts, wenn die Komödie nicht lustig ist. Also direkt auf den Punkt gebracht: „Hangover“ ist sehr lustig.

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