„Legion“

Auch die Engel schießen blaue Bohnen

Lieber Filmemacher,

wenn Sie von gefallenen Engeln erzählen möchten, die sich selbst als Beschützer der Menschheit zum Terminator-Rambo-Hybrid stilisieren, von besessenen Großmüttern, die dämonisch an Wänden und der Decke herumkraxeln und mit Haifischzähnen an Hälsen knabbern, von einem Gott, der keinen Bock mehr auf den „bullshit“ der Menschen hat, von dessen Botem, der mit elektrischem Morgenstern auf Babyjagd geht, dann ziehen Sie bitte durch. Haben Sie Spaß an ihrem Film und machen ihn der Prämisse entsprechend unterhaltsam affig. Niemand benötigt halbgare Trash-Welten, die affektiert zu bierernsten Endzeitvisionen und Glaubensdiksursen aufgeblasen werden.

Wenn Sie aus dem Departement für Visual Effects stammen und Probleme mit Spannungsdramaturgie, Figurenentwicklung, Dialogszenen und dem B-Movie-Faktor angepasster Leichtigkeit haben, dann holen Sie sich Hilfe – oder bleiben einfach direkt beim Explosionsdesign.

Vielen Dank,
ihr gelangweilter Zuschauer.

P.S.:
Mit „Legion“ schwimmt Regisseur und Autor Scott Stewart auf der Apokalypse- und Dystopie-Welle des aktuellen mainstream-Kinos (siehe „2012“, „The Book of Eli“, „Surrogates“), sucht seine narrativen und inszenatorischen Vorbilder aber eher in mythisch-religiösem Hokus Pokus (z.B. „Constantine“) und vor allem Western- und Zombiefilmen. Beim Teutates, kein mieser Mix per se. Und gegen Paul Bettany als gut bewaffneter Berserker-Engel Michael lässt sich ebenso wenig argumentieren wie gegen Omis mit sowohl unverschämtem als auch mörderischem Mundwerk. Aber ein koheränter Over-The-Top-Spaß sieht anders aus.

Die Story: Gott hat die Nase voll und die Auslöschung der Menschheit beschlossen. Engel Michael (Paul Bettany) weiß es besser als der Allwissende, stutzt sich die Flügel und schlägt sich auf die Seite der Sterblichen. Verlorenen Außenposten seines Kampfes gegen den Himmel bildet eine öde Wüstenraststätte mit allerlei Pappmachéfiguren, unter ihnen die schwangere Charlie (Adrianne Palicki), deren ungeborenes Kind der Menschheit letzte Rettung ist. Warum? Kein Schimmer. Auch egal. Alsbald kommen besessene Menschen, um Wüstenrevier 13 zu attackieren…

Von vorneherein nicht ganz koscher, setzt Scott Stewart mit einer Unlogik nach der anderen der Hirnrissigkeit die Krone auf. Aber es wäre sowohl müßig als auch verfehlt die einzelnen Storylöcher auszuloten. Von mir aus hätte er noch die zwölf Apostel mit Macheten zwischen den Zähnen, Satan selbst, laufende, sprechende Haifische mit Hitzestrahlen aus ihren Kiemen oder gleich Harryhausens Skelette reinpacken können. Aber beim Teutates, mach es unterhaltsam!

Statt sich in der selbstgewählten B-Movie-Suppe genüsslich zu wälzen, ergötzt sich Stewart an allerlei Geschwafel über Glaube, Bestimmung und anderen Quatsch von uninteressanten Figuren, unterbrochen von wenigen kurzen Actionintermezzos, deren Attraktion stark schwankt. Das nimmt „Legion“ jedwede Dynamik, Spannung und Leichtigkeit und lässt lediglich ein schwermütiges, schwerfälliges Rumgefummel an Standardsituationen und Genreelementen zurück.

© cdx.maxinho.2010

„Legion“

USA 2010, Regie: Scott Stewart; Buch: Scott Stewart, Peter Schink; Kamera: John Lindley; Musik: John Frizzell; Produktion: David Lancaster, Michel Litwak.

Darsteller: Paul Bettany (Michael), Lucas Black (Jeep Hansen), Tyrese Gibson (Kyle Williams), Adrianne Palicki (Charlie), Charles S. Dutton (Percy Walker), Jon Tenney (Jay), Kevin Durand (Gabriel), Willa Holland (Audrey Anderson), Kate Walsh (Sandra Anderson), Dennis Quaid (Bob Hansen).

Verleih: Sony Pictures. Laufzeit: 100 Minuten. Kinostart Dtl.: 18.03.2010.

Trailer:

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