„Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ (shorty)
(„Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull“)
(wenig Spoiler)

Indiana hier, Dr. Jones da, ständig das unverkennbare „dä-dädä-dä, dä-dädä“ – und immer noch habe ich die Schnauze nicht voll. Was sagt uns diese kleine, aber feine Analyse des medialen Indy-Overkills?

a) Nach all dem, was bereits gezeigt, gesagt, geschrieben, gesummt, gesungen, gemalt und gestikuliert wurde, hat die Welt gerade noch auf den Senf des lichtspielhausbesetzers gewartet.

Rezensionen zu „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ werden vom Gros der Interessierten nicht gelesen, um sich entscheiden zu können, ob man den Film sehen möchte oder nicht. Diese Entscheidung ist längst gefallen – oder wird weniger von Kritikern als von Bekannten beeinflusst. Dazu ist Indy ein zu großes Ereignis denn „nur“ ein Film.

Deshalb ist es letztlich doch nicht mehr als Senf, den ich dazugebe, dem Zuschauer, die bereits im Kino waren, freudig Zustimmung oder zornig Verachtung schenken können. Naja, und der vielleicht dem ein oder anderen Filmgucker doch hilft, sich ein Bild zu machen, von dem was ihn da erwarten könnte. So oder so möchte ich es bei einem „shorty“ bzw. einem „short round“ belassen… Wer eine detaillierte Analyse oder eine Inhaltsangabe sucht, wird an jeder Ecke des WWW fündig.

b) Der kristallköpfige Film kann so schlecht nicht sein.

Und um die langen Vorreden gleich vollends zu stoppen und zum Punkt zu kommen: „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ macht ordentlich Spaß.

Die Empfehlung, die wohl hier genauso wie im peruanischen Dschungel oder in chinesischen Nachtclubs in jeder Rezension zu finden sein wird, ist so simpel wie treffend: Wer die bisherigen Indy-Filme mag, wird auch beim vierten Teil seinen Spaß haben. Wer bislang wenig mit Archäologieprofessoren mit Peitsche und Pistole anfangen konnte, wird auch beim neuen Indy mit dem langen Namen seine Schwierigkeiten haben, die Euphorie der Sitznachbarn zu teilen.

Das liegt vor allem daran, dass sich dieser Film – mehr als andere – nur schwer mit eigenen Maßstäben messen lassen kann. Denn er greift Regeln und Situationen auf, deren Grundstein in „Raiders of the Lost Arc“ gelegt wurde. Nach Schlangen, Käfern und Ratten sind es jetzt Ameisen, nach christlichen Artefakten und indischen Voodoo-Steinchen sind es jetzt kristallene Totenköpfe, aber sonst ist alles wie bisher: Cliffhanger-Action nach dem Motto „Vom Regen in die Traufe“.

Alte, geliebte Bekannte (allen voran natürlich Harrison Ford, der selbst mit 65 Jahren nicht auch nur den Hauch eines Zweifels daran aufkommen lässt, dass er DEN Helden der 80er-Jahre spielen muss; aber auch eine nüchterne Karen Allen als reaktiviertes Vorzeige-Jones-Girl Marion), neue Weggefährten (Shia LaBeouf als unzähmbarer Brando-Klon und Ray Winstone als janusköpfiger Indy-Sidekick) sowie mit Cate Blanchett als russische Über-Agentin Irina Spalko die schillerndste Bösewicht-Figur der Reihe geraten unzählige Male in ausweglose Situationen, die 100%ig den Tod bringen müssten. Dabei erreicht „Crystal Skull“ mit seiner Hand voll weniger Verschnaufpausen zwar nicht die unaufhaltsame Dynamik des „Temple of Doom“-Openings, bietet nichtsdestotrotz einen Thrill-Ride, der in diesem Kinojahr mit hoher Wahrscheinlichkeit unerreicht bleiben wird.

Genau wie das Diskussionspotential des Films, an dem sich die Geister scheiden. Spielberg, Lucas und Ford erschließen in „Crystal Skull“ neue Gefilde für Indy. Alle zwei Pages stößt man auf Kommentare à la „passt nicht zu Indy“. Nun, wer die bisherigen Teile kennt und weiß, wie sie funktionieren, sollte von „Crystal Skull“ nicht überrascht sein. Bei einer Filmserie, die zu großen Teilen auf den abstrusen Pulp-Magazinen der 20er – 50er Jahre basiert, dürfen Menschen fressende Ameisen und auch Science Fiction nicht erschrecken. Es ist folgerichtig. Zumal die kritisierte Thematik vollends in die dargestellte Epoche der 50er passt; eben genau wie Atomtests, Rocker und „Shake, Rattle’n’Roll“. Und erinnern wir uns: Abstürze mit Schlauchbooten, auch ohne Herz lebende Menschen, glühende magische Steine, 700 Jahre alte Kreuzritter, christliche Artefakte als Heils- bzw. Elendsbringer, usw. usf. – nein, wir sind hier nicht beim Wissenschaftssender Archäologie-TV.

Ach, bevor ich es vergesse: Ich soll einen Hinweis der Globalen Vereinigung der Lichtspielhäuser weiterreichen. Wer beim Denken im Kinosaal erwischt wird, den geleitet das Sicherheitspersonal freundlich aus dem Lichtspielhaus. Wer diesen Rat befolgt, sich sowieso mit Indy anfreunden kann, oder auch mal im Kino fünfe gerade sein lassen kann, ist herzlich eingeladen, Spaß zu haben. Nicht mehr und nicht weniger. Denn, und jetzt darf ich einfach mal dreist klauen, es ist vielleicht kein perfekter Film, aber es ist ein „Indiana Jones“-Film.

(c) cdx.maxinho.2008

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