„Drachenläufer“ („The Kite Runner“)
(mittlere spoiler)

Bevor Marc Foster („Monster’s Ball“, „Finding Neverland“) sich mit „Quantum of Solace“ an der Bond-Reihe weiden darf, lässt er momentan ein weiteres Drama in den Kinohimmel steigen. Ohne Bombast-Action, Pop-Soundtrack, Star-Power oder dergleichen. Und schon wird’s interessant: Einfach nur eine Geschichte. Eine tragische, durchaus wendungsreiche Geschichte nach einem Bestseller.

Über zwei beste Freunde im Afghanistan der 70er Jahre, wo Kinder nicht nur Spaß daran haben, Drachen steigen zu lassen, sondern es zu einem sportlichen Wettkampf erhöhen: Amir, Sohn aus wohlhabendem Haus, und Hassan, Sohn des Hausdieners von Amirs Familie. Der Film etabliert die beiden schnell und effektiv, wenn auch leicht kitschig, als unzertrennliche und loyale Freunde, um sie ebenso abrupt zu trennen. Ein traumatisches Erlebnis und die anschließende Unfähigkeit damit umzugehen sorgen dafür, dass Amir Hassan von sich stößt – emotional und praktisch: Hassans Vater gibt seinen Hausdienerposten auf. Das letzte Mal, dass die Freunde sich sehen.
Nach der Flucht vor den Russen und der Emigration in die USA treffen wir Amir Jahre später wieder; als verheirateten Mann, der einen Anruf aus der alten Heimat erhält…

Es ist ein „tear jerker“, keine Frage. Aber stilvoll inszeniert. Ganz frei von Kitsch kann sich Marc Fosters Film aber dennoch nicht machen.
Kinder, am Anfang des Films als Protagonisten, sind sowohl Segen als auch Fluch. Segen, weil sie direkter und/oder stärker Emotionen beim Zuschauer freisetzen. Fluch, weil Filmemacher nur zu oft in die Falle der „Sophistication“ treten. So, wie Amir und vor allem Hassan, unterhalten sich Kinder nicht. Feine, geschliffene Dialoge voller Weisheiten? Von 10-/12-jährigen? Wirkung zeigt das Zusammenspiel der Kinderdarsteller nichtsdestotrotz.

Wer nach politischen Hintergründen sucht, wird enttäuscht werden. Die Probleme Afghanistans werden jeweils angerissen, nie ausgeführt. „The Kite Runner“ ist keine Unterrichtsstunde, sondern eine sehr persönliche Geschichte. Über Angst, Verrat, Loyalität & Wiedergutmachung. Ach: Und „Finding Neverland“-Zuschauer werden die Drachenszene wieder erkennen.

(c) cdx.maxinho.2008

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