„Spider-Man 2“
(geringe Spoiler)

Die Liebe ist ein leidiges Thema – zumindest für Superhelden. Unser Superheld darf seiner Angebeteten nicht seine wahren Gefühle zeigen, da sie sonst in Gefahr schwebt. Das und noch weitere Probleme im Privaten bringen ihn dazu, das Leben des edlen Retters aufzugeben. Doch eine neue Gefahr tritt auf den Plan und der Superheld muss sich entscheiden.

Klingt nach „Superman 2“? Richtig. Gemeint ist aber „Spider-Man 2“. Die Paralellen sind unübersehbar. Aber es stört nicht im Geringsten. Anders als beim fliegenden Cape-Träger ist nicht das Normale die Maske, sondern das Außergewöhnliche (Theorie wird gestützt von Bill). Eine völlig andere und vor allem spannendere Voraussetzung. Außerdem kam diese Assoziation eigentlich erst nach dem Kinobesuch. Während der Vorstellung war ich gefangen von knallbunten Charakteren, poppiger Tragik und Dramatik, Humor, um noch ein Level verbesserten, bombastischen Effekte, rasanter Action und einer edlen Optik – Superhelden-Film, was brauchst du mehr?

Im Gegensatz zum ersten Abenteuer rücken bei „Spider-Man 2“ die privaten Probleme und zwischenmenschlichen Feinheiten der menschlichen Spinne deutlich stärker in den Fokus. Alltagsprobleme – Peter (Tobey Maguire) verliert seinen Job als Pizzalieferant, verpasst Vorlesungen und bei der Wäsche färbt sein Spinnenanzug die Unterwäsche rosa – widerfahren dem strahlenden Helden ebenso wie tragische Schicksalsschläge. Erst will seine große Liebe Mary-Jane (Kirsten Dunst) den Sohn seines garstigen Chefs heiraten, dann will sein Kumpel Harry Osborne (James Franco) Spiderman tot sehen und zu allem Überfluss verlassen ihn seine Spinnenkräfte (und er muss auch mal den Aufzug nehmen, um aufs Dach zu gelangen). Schließlich droht auch noch der ganzen Stadt Gefahr durch den größenwahnsinnig gewordenen Dr. Otto Octavius (Alfred Molina).

All diese persönlichen Verwirrungen und Problemchen heben den Film auf eine ganz neue Stufe. Die Charaktere werden vertieft und so die Bindung des Zuschauers gewährleistet. Es ist nicht mehr nur ein Action-Film, sondern auch ein Drama. Es ist nicht einfach nur nett anzusehende Action (und weiß Gott, das ist sie), sondern ein dramatisches Element des Ganzen. Gewürzt wird dieses Ganze von urkomischen Szenen, perfekten Effekten und einem mitreißenden Bösewicht. Alfred Molina ist perfekt besetzt als smarter und zugleich rasender Schurke.

Doch Star des Films ist keiner der Darsteller und auch nicht das CGI. „Spider-Man 2“ ist in allen Belangen Sam Raimis Film. Und das ist wunderbar, denn ich liebe Regisseuren-Filme. Von vielen unbemerkt hat Raimi seinen ihm eigenen Stempel aufgedrückt. Nicht mit Offensichtlichem wie Cameo-Auftritten von Bruce Campbell und Timothy Balme, sondern durch seine Regie und Kamera. Die optischen Verbindungen zum Horror-Genre, ausgedrückt durch stilistische Kameraperspektiven, –schwenks und –fahrten sind ein geniales Gimmick und ich verneige mich vor diesem Wagnis.

Doch wie philosophierte Goethes Faust? „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“. Raimis Mut, seinen aus früheren Werken (bes. „Evil Dead“) bekannten Stil verstärkt einzubringen, belohne ich mit äußerster Anerkennung, doch leider geht damit ein Makel einher. Durch die übermäßige Stilisierung vieler Szenen fließt ein ungesundes Maß an unpassenden Stilbrüchen in den Film ein. Wo in der einen Szene noch das tragische Schicksal des Helden in entsprechender Atmosphäre geschildert wird, wird in der nächsten „Raindrops keep falling on my head“ gespielt. Diese und ähnlich aufgesetzten Szenen verursachen Kitsch, der das tragische Moment des Films ruiniert. Und einen groberen Fauxpas gibt es in meiner Vorstellung vom Filme schaffen nicht.

Ich hoffe, Raimi kann sich für Teil 3 dieses Maß an Individualität beibehalten, es aber dann besser unter Kontrolle halten. Denn zu einem meisterlichen Film fehlt noch ein Stück. Dennoch bleibt die Frage eingangs dieser Rezension eine rhetorische: Superhelden-Film, was brauchst du mehr?

(c) cdx.maxinho.2004

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