Dolph Lundgren verspricht einen “old-school, kick-ass action movie where people are fighting with knives and shooting at each other, breaking necks and shit like that”. Und nichts weniger erwarten die Kinofans mit Testosteronüberschuss. Da ist von der Rettung des Actionkinos die Rede, das ausgegebene Motto lautet „Let the blood bath begin“. Sylvester Stallones neue Regiearbeit lässt Sehnsüchte nach männermäßigem Leinwandspektakel Wirklichkeit werden.

In „The Expendables“ (dt. Kinostart: 26. August) vereint sich ein stellar cast an badasses. Nicht nur aktuelle Actionstars wie Jason Statham und Jet Li, die ehemaligen (Kampf-)Sportler Randy Couture (Ultimate Fighter und in der UFC-Hall of Fame), „Stone Cold“ Steve Austin (WWE-Wrestler) und Terry Crews (NFL-Spieler, “Everybody hates Chris”), und Hollywoods böse Buben Eric Roberts und Mickey Rourke hauen hier eine Qualle nach der anderen aus den Drömeln. Die Helden des „alten Actionkinos“ geben sich die Ehre. Allen voran Sly „Rocky“ „Rambo“ Stallone, der neben Regie, Buch und Produktion die Hauptrolle übernimmt. Dazu der Action-Fan-Liebling und Slys Gegenüber in „Rocky IV“, Dolph Lundgren, sowie in Cameos die – neben Sly – wohl größten Action-Ikonen aller Zeiten: Arnold Schwarzenegger und Bruce Willis.

Fast wäre der Testosterondetektor explodiert. Denn eigentlich sollten noch mehr der „alten Hau-Drauf-Haudegen“ mit von der explosiven Partie sein. Aber Jean Claude van Damme lehnte ab, Wesley Snipes konnte aufgrund seiner Steuerprobleme nicht zum Dreh ausreisen, Kurt Russell hatte aktuell keine Lust auf Ensembleschauspiel und Steven Seagal liegt mit „Expendables“-Produzent Avi Lerner im Clinch.

Aber warum sehnen sich die Fans nach einer Rückkehr zur „alten Action“? Und was meint dieser im Zusammenhang mit Slys potentiellem Bleigewitter vielfach bemühte Ausdruck überhaupt? Zuallererst warten Kinofans seit Jahrzehnten auf einen gemeinsamen Auftritt des Planet Hollywood-Trios Stallone, Schwarzenegger, Willis. Dabei scheint es ihnen ziemlich egal zu sein, dass der Governator und Yippee-ki-yay-Bruce nur für wenige Momente zu sehen sind, oder dass Sly und Lundgren, bei aller respektablen Fitness, nicht nur vom alten Schlag, sondern alt im genuinen Sinn sind. Aber es ist wohl nicht allein die Sehnsucht nach den Namen. Was mit ihnen verbunden ist, das nostalgische Moment, macht den Film zum must-see der „manly men“, die sich im Zeitalter des metrosexuellen clean-cut Mannes verloren fühlen: “Rated R and not based on a freaking toy for God’s sakes. This (…) will go down in man culture as the final action movie. No men wearing girls jeans, this is no yawn inducing female lead action movie, this is going to be the ultimate throw back to an age that sadly I fear will never return”

Alexander Gajic beschreibt in seiner Reihe „Zehn zu Null – Eine Dekade voller Filme“ den Wandel des Actionfilms in den Noughties und konstatiert ein Jahrzehnt der gebrochenen, verwundbaren Helden à la Jason Bourne, die ihre Gegner nicht unbeschadet und ohne ein Wimpernzucken um die Ecke bringen können. Hier kann „The Expendables“ tatsächlich die erhoffte Wende oder zumindest Ausnahme sein, betrachtet man Trailer und Behind the Scenes (siehe unten), insbesondere den ersten Showdown des Films: Der Söldnertrupp um Barney Ross stellt somalische Piraten und bringt sie in Perfektion zur Strecke. Schnell, brutal, ohne Fehlschuss oder -wurf.

In dieser Sequenz (nicht im geschnittenen Trailer, sondern im ersten Teil der „Behind the Scenes“-Reihe, ab etwa 2:52) wird außerdem deutlich, dass Stallone wieder in die Vollen geht und sich das, bei Actionfans gewünschte, für die Kinokasse gemeinhin giftige, R-Rating redlich verdient. Wie bereits in „Rambo“ (2008) zeigt er zerplatzende Körper, inszeniert explizit; und wie bei „Rambo“ wird in Deutschland eine geschnittene Fassung in den Kinos vorgeführt. Von „zahlreichen besonders brutalen Szenen“, die der Schere zum Opfer fallen werden, ist hier die Rede.

Ein weiterer Aspekt des 00er-Actionkinos ist interessant: die Rückkehr zum Realismus gepaart mit ruheloser Optik. Hier könnten „die Entbehrlichen“ meinem Gefühl nach eine hybride Position einnehmen. Ausflüge ins Weltall, unsichtbare Autos, transformierende Gefährte und mutierte Supersoldaten werden keine Rolle spielen. Mann-gegen-Mann bzw. Gruppe-gegen-Gruppe soll es hart zur Sache gehen, mit Explosionen hier und da, einer Flugzeug- oder Autoverfolgung als Garnierung, aber hauptsächlich realistischen Kämpfen. Dass Stallone seine Action allerdings durch Staccatoschnitte zerstückelt und ruhelos in die Unübersichtlichkeit abdriftet, kann ich mir angesichts des Nostalgieauftrags und seines „Rambo“ nicht vorstellen.

Die Verbindung zu „Rambo“ lässt mich auch abschließend nicht los. Immerhin haben Fanboys (oder –men?) diesen Film bereits vor zwei Jahren als Messias des Actionkinos gehypt, auch wenn er diesen Vorschusslorbeeren nicht gerecht wurde. Der feine Unterschied könnte in der Haltung zu finden sein. Anders als „Rambo“ macht „The Expendables“ keinen bierernsten Eindruck. Jet Li und Terry Crews sollen sich in ihren Rollen mehrfach frotzeln, Jason Statham und Stallone haben wohl eine Art Buddy-Movie-Paar herausgebildet. Wenn also „Rambo“ der Abgesang auf den Einzelkämpfer im Kino war, dann ist „The Expendables“ nicht zwangsläufig die finale Ensemble-Action. Zumal bereits jetzt, ohne einen eingespielten Dollar, die Planspiele für zwei Sequels laufen.

Erst kürzlich waren Stars des Films auf der Comic-Con zu Gast und wurden frenetisch gefeiert. Das „Expendables“-Panel ist (momentan noch) in sieben Teilen auf YouTube zu sehen. Hier ist Teil 1:

Desweiteren präsentiert Sly Stallone exklusiv für iTunes eine fünfteilige „Behind the Scenes“-Reihe zum Film, die ebenfalls (momentan noch) auf YouTube hochgeladen wurde. Im ersten Teil beschreiben Stallone sowie Regieassistent Richard Fox, Produzent John Thompson, Kameramann Jeffrey Kimball und auch aintitcoolnews-Filmkritiker Harry Knowles die Arbeit am Set und die Erwartungen an den Film; außerdem erhält man einen Einblick in den Dreh einer Geiselbefreiungsszene:

In Teil 2 wird geschildert, wie es dazu kam, dass Mixed Martial Artists gecastet wurden; sprich: warum selbst die Statisten und Komparsen rocken:

Der dritte Teil mit dem Titel „Meet the Stars“ zeigt den Dreh von zwei Dialogszenen mit Mickey Rourke, Jet Li, Jason Statham, Terry Crews, Randy Couture und Stallone selbst:

In den kommenden Wochen sollen zwei weitere Teile folgen.

“The Expendables“-Trailer:

In einem Jahr gibt’s die nächste Frischzellenkur und den nächsten Relaunch eines Franchises – zumindest, wenn es nach den Produzenten geht. Der Teaser verspricht nichts Gutes, ist aber eben auch nur das – ein Teaser:

Der Original-Voice-Cast kann sich auf jeden Fall sehen (oder hören?) lassen: Neil Patrick Harris, Kate Perry, Anton Yelchin, Sofía Vergara, Hank Azaria u.a. leihen den Schlümpfen und Gargamel ihre Stimmen. Quentin Tarantino, der ursprünglich als Schurke besetzt war, ist übrigens leider aus dem Projekt ausgeschieden.

„Shake a Tail Feather“ – Ray Charles in „The Blues Brothers“:

„Perfect World“ – Tom Jones in „The Emperor’s New Groove“:

„I’ll Grow Old With You“ – Adam Sandler in „The Wedding Singer“:

„Der treue Husar“ – Christiane Kubrick in „Paths of Glory“:

„One More Time“ – Daft Punk in „Interstella 5555: The 5tory of the 5ecret 5tar 5ystem“:

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